Der Rotmilan

Opens internal link in current windowSteckbrief  /  Opens internal link in current windowBestand und Vorkommen  /  Opens internal link in current windowProblematik

Steckbrief

Rotmilane im Flug (Foto: W. Nachtigall)

Verbreitung

  • Nur in Europa mit 23.500 – 28.640 Brutpaaren, davon > 50 % (12.000 – 15.000 BP) in Deutschland

Bestandsentwicklung

  • bundesweiter Rückgang um 30 % seit Anfang der 1990er Jahre
  • stärkste Rückgänge im Hauptverbreitungsgebiet in Sachsen-Anhalt, regional aber auch Zunahmen bzw. uneinheitliche Entwicklungen

Lebensraum

Strukturreiche Offenlandschaft mit Wechsel aus

  • Landwirtschaftsflächen mit Acker und Grünland,
  • Wäldern und Feldgehölzen und
  • Siedlungsraum

Ernährung

Nahrungsopportunist, der je nach Verfügbarkeit

  • Kleinsäuger (vor allem Mäuse und Maulwürfe)
  • Vögel (vor allem Kleinvögeln)
  • Aas und Abfälle
  • Regenwürmer, Fische oder andere Kleintiere frisst

Brutgeschehen

Ankunft im Brutrevier ab Februar, Brutbeginn ab Ende März

  • Nester „liederlich“ bis „stattlich“
  • eine Jahresbrut mit 1 bis 4, meistens 2 bis 3 Eiern
  • Jungen werden mit etwa 50 Tagen ab Ende Juni flügge
  • Beginnender Wegzug ab Ende August, Hauptzugzeit September/Oktober

Verhalten

  • trägt sichtbar Lumpen, Reste und „Unrat“ zum Schmuck ins Nest ein
  • jagt oft in hoher Anzahl auf frisch bearbeiteten Schlägen und offenen Kompostieranlagen oder Deponien
  • Schlafplätze mit bis zu mehreren hundert Individuen zur Zugzeit
  • Überwinterung in Südwesteuropa (Frankreich bis Portugal), einige auch in Deutschland

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Bestand und Vorkommen

Vorkommen in Deutschland (Quelle: DDA)
Vorkommen in Sachsen (Steffens et al. 2013)

Der Rotmilan ist eine Art von besonderem europäischem Interesse, dessen Weltbestand zu über 50 % in Deutschland brütet (10.000-14.000 Brutpaare [BP]). Mit 900 – 1200 BP fallen davon etwa 10 % auf Sachsen. Nach steigenden Bestandszahlen bis 2007 (vgl. Tab.) nimmt die Art in Sachsen aktuell wieder leicht ab. Bundesweit zeigt der Rotmilan einen dramatischeren Rückgang von etwa 30 % seit Beginn der 1990er Jahre. Über die vielfältigen Ursachen lesen Sie im Kapitel „Opens internal link in current windowProblematik“ mehr.

Trotz des rückgängigen Bestandstrends, ist der Rotmilan in Sachsen weiterhin weit verbreitet. Die höchsten Dichten werden aber im nordsächsischen Tiefland bis 300 m erreicht. Die Oberlausitz stellt -neben anderen Gebieten- einen sächsischen Verbreitungsschwerpunkt, auch für den Schwarzmilan, dar. Das Projektgebiet beherbergt 22 bis 25 Brutpaare und zählt zu den stabil besiedelten Regionen Sachsens. Mit 6 Brutpaaren (BP) je 100 km² erreicht der Rotmilan hier eine Dichte, die über dem landesweiten Durchschnitt von knapp 5 BP je 100 km² liegt.

Bestandsentwicklung Rotmilan in Sachsen (Steffens et al. 2013, erweitert):

Zeitraum

Bestand

1978-1982

200 - 350

1993-1996

800 - 1.100

2004-2007

1.000 - 1.400

2011

900 - 1.200

 

 

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Problematik

Waschbären sind gute Kletterer und damit eine Gefahr für die Bruten. (Foto: Archiv Förderverein)

Die beschriebenen Rückgänge der Art gehen auf eine Vielzahl von Ursachen zurück, die bei Überlagerung erheblich auf den lokalen Bestand einwirken können. Regionen übergreifend wirken Engpässe bei der Nahrungsversorgung reduzierend auf die Reproduktivität und damit den Bestand des Rotmilans. Als typische Offenlandart ist er auf Nahrungstiere angewiesen, die in Acker- Grünland- und Kulturlandschaften leben. Durch die zunehmende Strukturverarmung dieser Landschaften verringert sich auch das Nahrungsangebot. Auch bei intensiver Landnutzung sinkt die Anzahl potenzieller Beutetiere (v.A. Kleinsäuger und Vögel) auf den Flächen. Zum Nahrungsmangel kommt der Einfluss von Prädatoren hinzu, der auch im Kontrollgebiet als bedeutend eingeschätzt wird. Betroffen sind Gelege und Bruten, die von kletternden Räubern zerstört bzw. erbeutet werden. Eine besondere Rolle spielen hier vermutlich Neozoen wie Waschbär oder Mink.

Zudem gibt es vielfältige Störeinflüsse, die in Nestnähe das Brutgeschäft beeinträchtigen können. Dazu zählen insbesondere der individuelle Freizeitverkehr und Erholungsnutzung sowie Störreize, die von häufigen Ackerbearbeitungen oder Holznutzung während der Brutzeit ausgehen.

Schließlich sind auch die Sterblichkeit an Windkraftanlagen und Stromleitungen sowie Vergiftung bestandsreduzierende Faktoren. Als Teilzieher ist der Rotmilan von diesen Faktoren sowohl im Brut- als auch im Überwinterungsgebiet betroffen.

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