2013 endet die Erprobungsphase des Bodenbrüterprojekts. Erste Ergebnisse liegen vor.

Kiebitzgelege
Kiebitzinsel in Winterroggen – der Bewuchs ist niedrig und bietet den Kiebitzen freie Sicht
Feldlache in Winterweizen - solche Flächen ziehen den Kiebitz magisch an, sind aus landwirtschaft-licher Sicht aber Ertragsrisikostandorte - Arten-schutzmaßnahmen können hier ein sicheres Ein-kommen schaffen
an trockenen Standorten bietet sich der Anbau von Sommergetreide an, auch dieses bietet dem Kiebitz sehr gute Bedingungen
hufeisenförmiges Feldlerchenfenster in Winterweizen - die Form ist egal, wichtig ist der Zugang zum ansonsten dichten Bestand
auch zusätzliche, nicht genutzte Fahrgassen öffnen die Kulturbestände für die Feldlerche
Streifen im Mais, selbstbegrünt oder mit Getreide bzw. Blühmischungen bestellt, werden von der Feldlerche stark genutzt
Brachestreifen helfen dem Rebhuhn - hier als Kombination aus Sommerungs- und Schwarzbrache
Schafstelze auf der Markierungsstange einer Kiebitzinsel

Ergebnisse

Im Bodenbrüterprojekt werden nutzungsintegrierte Schutzmaßnahmen für Rebhuhn, Kiebitz und Feldlerche entwickelt und erprobt. Bisher wirkten 58 Betriebe am Bodenbrüterprojekt mit, die meisten davon mehrfach. Insgesamt wurden von 2009 bis 2012 fast 250 Artenschutzmaßnahmen auf über 1.000 ha Ackerland realisiert. Für 2013  sind erneut ca. 50 Flächen mit 150 ha unter Vertrag. Siehe hierzu auch:

Initiates file downloadMaßnahmen des Bodenbrüterprojekts 2012/13 (0,6 MB)

Initiates file downloadUmgesetzte Maßnahmen des Bodenbrüterprojekts 2009-12 (0,2 MB)

 

Die Projektkoordinatoren und weitere Ornithologen führen systematische Erfolgskontrollen durch, um z. B. das Brutgeschehen des Kiebitzes zu dokumentieren und so den Erfolg der Maßnahme zu bewerten. Parallel dazu werden geeignete Vergleichsflächen kartiert.

Kiebitz

2010, 2011 und 2012 brüteten auf den ca. 20 jährlichen Kiebitzinseln jeweils etwa 40 Kiebitzpaare, was 5-10 % des sächsischen Bestandes entspricht. Davon hatten 2010 und 2011 über 50 % Schlupferfolg. 2012 lag der Anteil der Brutpaare mit geschlüpften Jungen mit 30 % deutlich niedriger. Generell ist der Schlupferfolg auf Kiebitzinseln etwa genauso hoch, wie auf vergleichbaren, "sich selbst herrichtenden" Flächen ohne Maßnahmen.

Der Erfolg liegt vielmehr in der Ansiedlungswahrscheinlichkeit. Auf den 19 der 35 bereits im Herbst, also vorausschauend, angelegten Kiebitzinseln ließen sich ca. 50 Paare nieder. Das entspricht einem Mittelwert von mehr als einem Brutpaar je ha. Im Durchschnitt schlüpften auf zwei von drei im Herbst eingerichteten Hektar Kiebitzinsel im Frühjahr darauf junge Kiebitze. Die Kiebitze profitierten u. a. von der im Vergleich mit den Kulturen niedrigeren Vegetation, die freie Sicht und damit eine gute Feinderkennung gewährt. Demgegenüber ist die Wahrscheinlichkeit, dass Kiebitze auf nicht hergerichteten Flächen einen Brutplatz finden deutlich geringer. Nur auf etwa 25 % der einbezogenen Vergleichsflächen schritten Kiebitze zur Brut.

Die Bereitstellung geeigneter Flächen im Herbst kann folglich helfen, den Kiebitzbestand zu stützen. Zwar ist der Schlupferfolg auf infolge Vernässung auch ohne Maßnahme geeigneten Flächen etwa genauso hoch, in Jahren ohne ausreichenden Kulturausfall oder infolge der Drainage von Nassstellen bleiben aber mittlerweile viele traditionelle Brutplätze unbesetzt.

Siehe hierzu auch:

Initiates file downloadKiebitzbruten 2010-12 (0,1 MB)

Initiates file downloadVegetationsentwicklung auf Kiebitzinseln im Vergleich mit Kulturen 2010-12 (0,3 MB)

Initiates file downloadKiebitzbestand in den Projektgebieten 2009-12 (0,2 MB)

 

Feldlerche

Für die Feldlerche haben sich die Feldlerchenfenster seitens der Landwirte als praxistauglich erwiesen. Lediglich im Winterraps ist das Nachrieseln des Saatgutes problematisch, sodass die nachträgliche Anlage der Fenster mittels Herbizid zu bevorzugen ist. Seit 2010 wurden im Bodenbrüterprojekt etwa 1.000 Feldlerchenfenster angelegt. Die Form der Fenster ist dabei nebensächlich, auch ein Bewuchs ist bis zu einem Deckungsgrad von etwa 70 % unproblematisch. Wichtig ist, dass es in den dichten Kulturen zum Zeitpunkt der Zweitbrut im Juni/Juli Stellen mit Zugang zum Boden gibt. Die positiven Effekte sind vor allem in dichten Winterungen, wie Wintergerste, sehr groß. Hier sind die Siedlungsdichten auf Flächen mit Fenstern deutlich höher als ohne. Siehe hierzu auch:

Initiates file downloadErgebnisse der Siedlungsdichteuntersuchungen an der Feldlerche auf Flächen mit Feldlerchenfenstern 2010-12 (0,6 MB)

 

Alternativ können zusätzliche, für die Bewirtschaftung nicht benötigte Fahrgassen angelegt werden. Die Anlage ist sehr einfach, es empfiehlt sich aber, die Leitspuren nicht an das Vorgewende anzuschließen. Dies mindert die Prädationsgefahr und erleichtert dem Maschinenfahrer die Orientierung. Für die Feldlerche sind die positiven Effekte denen der Feldlerchenfenster vergleichbar. Siehe hierzu auch:

Initiates file downloadErgebnisse der Siedlungsdichteuntersuchungen auf Flächen mit zusätzlichen Fahrgassen 2010-12 (0,6 MB)

 

Als positiv haben sich auch die Feldlerchenstreifen in Mais erwiesen. Hierfür werden die Maiserwartungsflächen bereits im März vor Beginn der Brutzeit bearbeitet, damit nicht sämtliche Gelege im April zerstört werden. Die Feldlerchenstreifen bleiben bei der Bodenbearbeitung entweder ausgespart oder werden mit Sommergetreide bestellt. Im April sind dies dann die einzigen bewachsenen Flächen und werden von den Vögeln zur Nestanlage genutzt. So wird ein Alternativlebensraum angeboten, der sich zudem später als Bejagungsschneise nutzen lässt. Bei geschickter Anordnung sind auch positive Effekte für den Biotopverbund möglich. Für die Streifen wurde eine deutliche Bevorzugung durch die Feldlerchen nachgewiesen. Dies ist insbesondere vor dem Hintergrund der zu erwartenden Zunahme des Maisanbaus bedeutsam.

Rebhuhn

Für das Rebhuhn wurden seit 2009 Brachemaßnahmen auf etwa 60 ha Fläche realisiert. Hinzu kamen ab 2010 fast 300 ha Stoppelbrache im Spätsommer/Herbst. Dies alles wird die prekäre Bestandssituation des Rebhuhns jedoch nicht signifikant verbessern, da zur Stabilisierung der dramatisch schrumpfenden Rebhuhnbestände sehr viele kleine Maßnahmen auf engem Raum notwendig sind. Deshalb wurden 2011 in drei Gebieten "Lokale Rebhuhninitiativen" initiiert. Der lokale Ansatz führte bereits im ersten Jahr zu einer Vielzahl neuer Maßnahmen, zumeist Förderflächen nach Richtlinie AuW, die ein für den Arterhalt hinreichendes Landschaftsmosaik ergeben sollen. Siehe hierzu auch:

Initiates file downloadRebhuhnbestand in den Projektgebieten 2009 und 2011 (0,2 MB)

 

Durch die regelmäßigen Erfassungen an den Maßnahmenflächen konnten Synergien für eine Reihe anderer Vogelarten nachgewiesen werden, so z. B. Wiesenschafstelze, Flussregenpfeifer oder Kranich. Zudem wurden auf den selbstbegrünten Brachen über 200 Pflanzenarten kartiert, darunter mehrere Arten der Roten Liste Sachsens.

Die Projektmitarbeiter danken herzlichst allen Landwirten, Ornithologen, Jagdpächtern und ehrenamtlichen Naturschützern für die engagierte Mitarbeit sowie den Verbänden und Behörden für die Unterstützung.


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