Die drei Zielarten stehen beispielhaft für verschiedene Ansprüche an den Lebensraum Agrarlandschaft.


Rebhuhn (Perdix perdix) (Foto: M. Schäf)

Rebhuhn

Lebensraum

  • wildkrautreiche Äcker, Brachen und Ackerraine
  • begünstigt durch kleinräumige Struktur- und Nutzungsvielfalt im Ackerbau
  • heute in Sachsen nur noch inselartig auf extensiven Äckern, Ruderalstandorten, an Siedlungsrändern und in der Bergbaufolgelandschaft vorkommend
  • Nester am Boden in dichter Vegetation

Ernährung

  • Wildkräuter, Samen, grüne Pflanzenteile
  • Insekten zur Jungenaufzucht

Brutgeschehen

  • Hauptbrutzeit Ende April bis Ende Juni
  • eine Jahresbrut
  • Gelege mit 10-20 Eiern

Verhalten

  • Standvogel, ganzjährig in einem Bereich von 1-2, maximal 5 km2 verbleibend
  • ab Spätsommer Bildung von Gruppen („Ketten“) mit 15-20 Individuen
  • im Februar/März Auflösung der Gruppen, anschließend Balz und Paarfindung

Brutbestand und Gefährdungskategorie in Sachsen

  • 200-400 Brutpaare
  • Bestandsrückgang seit 1990 um 90 %
  • Rote-Liste-Status: stark gefährdet

Gefährdungsursachen

  • Strukturverarmung des landwirtschaftlich genutzten Offenlandes, insbesondere Verlust bzw. Reduzierung von Brachen, Ackerrandstreifen, Feldrainen, Feldhecken und gehölzen
  • Vergrößerung der Schläge
  • intensiver Einsatz von Herbiziden und Insektiziden und dadurch verursachter drastischer Rückgang der Insektennahrung und der Sämereien von Ackerwildkräutern
  • Einschränkung der Kulturarten- und Fruchtfolgenvielfalt, vor allem Rückgang geeigneter Sommerungen
  • Zunahme der Dichte der Pflanzenbestände durch optimierte Bewirtschaftungsverfahren
  • Zunahme des Anbaus von Winterungen, deren Bestellung oft umgehend auf die Ernte der Vorfrucht folgt, wodurch die Stoppelbrachen als wichtige Nahrungsflächen im Spätsommer fehlen

Nach oben

Kiebitz (Vanellus vanellus) (Foto: D. Synatzschke)

Kiebitz

Lebensraum

  • offene Flächen mit durchstocherbarem (feuchtem oder lockerem) Boden
  • Nest am Boden in schütterer, niedriger Vegetation

Ernährung

  • Insekten, vor allem Käfer
  • Aufnahme vom oder aus dem Boden
  • spezielle Jagdmethode durch Trommeln mit den Füßen auf den Boden, um Insekten zu erbeuten

Brutgeschehen

  • Hauptbrutzeit von Ende März bis Anfang Juni
  • Legebeginn ab Ende März, meist in der ersten Aprildekade
  • eine Jahresbrut, bei Verlust meist Ersatzbruten
  • Gelege mit meist 4 Eiern

Verhalten

  • spektakuläre Flugbalz im März und April
  • aktive Gefahrenabwehr während der Brut und Jungenaufzucht durch Flugattacken auf Feinde
  • im Februar/März und von August bis Oktober Durchzug großer Trupps auf dem Zug ins Winterquartier im Südwesten Europas
  • bereits ab Juni Auftreten von Sommertrupps

Brutbestand und Gefährdungskategorie in Sachsen

  • 400-800 Brutpaare
  • Bestandsrückgang seit 1980 um 90 %
  • Rote-Liste-Status: stark gefährdet

Gefährdungsursachen

  • Rückgang des Sommergetreideanbaus, Zunahme dichthalmiger, schnell wachsender Winterkulturen
  • Flurbereinigung, insbesondere Verrohrung von Gräben und Drainierung ehemals feuchter Senken
  • Zerstörung von Gelegen im Grünland durch frühe Mahd
  • Störungen im Nestbereich

Nach oben

Feldlerche (Alauda arvensis) (Foto: S. Ott)

Feldlerche

Lebensraum

  • offenes Gelände, vor allem Äcker und Brachen, aber auch Grünland
  • bevorzugt an kargen, trockenen Stellen mit schütterem Bewuchs
  • Nester gut versteckt am Boden

Ernährung

  • Insekten, Spinnen, Schnecken und Regenwürmer

Brutgeschehen

  • Rückkehr ins Brutgebiet ab Mitte Februar
  • Erstbrut von April bis Mai, Zweitbrut von Juni bis Juli
  • Gelege mit 3 bis 5 Eiern

Verhalten

  • Flugbalz mit Singflug der Männchen ab März
  • im Februar/März und im Spätsommer Durchzug großer Trupps

Brutbestand und Gefährdungskategorie in Sachsen

  • 80.000-160.000 Brutpaare
  • Bestandsrückgang seit Mitte der 1990er Jahre um etwa 30 %
  • auf der Vorwarnliste zur Roten Liste

Gefährdungsursachen

  • schnellerer sowie höherer und dichterer Pflanzenwuchs infolge optimierter Düngung
  • Rückgang des Sommergetreideanbaus zugunsten von Wintergetreide und Winterraps, Kulturen, die im Frühjahr schnell auflaufen und dichte, hohe Bestände bilden, die als Habitat für die Zweitbrut ungeeignet sind
  • Nahrungsmangel infolge übermäßigen Biozideinsatzes
  • Verlust von Saumstrukturen, insbesondere von Ackerrainen
  • Maisanbau (Zerstörung der Gelege der Erstbrut im April)

Nach oben

Die Defizite hinsichtlich der Lebensraumqualität sind im Agrarraum vielerorts sichtbar.

Feldweg ohne Rain
strukturarmer Großschlag
dichter, schnell wachsender Winterraps

Weitere Informationen zu den Zielarten finden sie auch hier:

Opens external link in new windowInfoheft Rebhuhn

Opens external link in new windowInfoheft Kiebitz

Opens external link in new windowInfoheft Feldlerche


Nach oben